Lexikon · Erbschein
Erbschein – Kosten, Antrag und Alternativen
Der Erbschein bescheinigt, wer Erbe ist und zu welchem Anteil. Wann Sie ihn brauchen, wie Sie ihn beantragen, was er kostet und wann er entbehrlich ist.
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Von Erten Dörter · Stand: Oktober 2026 · Lexikon A–Z
Kurzdefinition
Der Erbschein ist ein Zeugnis des Nachlassgerichts, das bescheinigt, wer Erbe ist und zu welchem Anteil (§ 2353 BGB). Er wird nur auf Antrag erteilt; im Rechtsverkehr wird vermutet, dass sein Inhalt richtig ist (§ 2365 BGB). Erben brauchen ihn häufig, um eine geerbte Immobilie im Grundbuch auf sich umschreiben zu lassen.
Auch: Erbnachweis, Erbschein beantragen, Was ist ein Erbschein, gemeinschaftlicher Erbschein
Was ist ein Erbschein?
Mit dem Tod geht das Vermögen automatisch auf die Erben über. Banken, Behörden und das Grundbuchamt wissen das aber nicht von selbst. Der Erbschein ist der amtliche Nachweis: Er nennt die Erben, ihre Quoten und mögliche Beschränkungen, etwa eine Testamentsvollstreckung.Beantragt wird er beim Nachlassgericht, direkt oder über einen Notar. Im Antrag sind unter anderem Todeszeitpunkt, letzter gewöhnlicher Aufenthalt, vorhandene Testamente und die Größe des Erbteils anzugeben (§ 352 FamFG); diese Angaben sind in der Regel an Eides statt zu versichern.
Wann brauchen Sie einen Erbschein – und wann nicht?
Grundbuch: Das Grundbuchamt akzeptiert als Erbnachweis den Erbschein oder ein Europäisches Nachlasszeugnis (§ 35 Abs. 1 GBO).Verkauf der Immobilie: Erben müssen vor dem Verkauf nicht selbst eingetragen sein; die Voreintragung ist entbehrlich, wenn das Eigentum gleich auf den Käufer übertragen wird (§ 40 GBO). Die Erbfolge müssen sie trotzdem nachweisen.Banken und Versicherungen: Sie verlangen einen Erbnachweis; ob dafür ein Erbschein nötig ist, hängt vom Einzelfall und vom Vertrag ab.Testamentsvollstreckung: Ist ein Testamentsvollstrecker eingesetzt, weist dieser seine Befugnis mit einem eigenen Zeugnis nach (§ 2368 BGB); der Erbschein vermerkt die Ernennung (§ 352b Abs. 2 FamFG).
Wann Sie keinen Erbschein brauchen: Beruht die Erbfolge auf einem notariellen Testament oder Erbvertrag, genügt dem Grundbuchamt in der Regel diese Urkunde zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts (§ 35 GBO). Bei einem handschriftlichen Testament oder gesetzlicher Erbfolge ist der Erbschein für das Grundbuch dagegen meist nötig.
Erbschein beantragen: Ablauf Schritt für Schritt
1. Zuständiges Gericht klären: Zuständig ist das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Verstorbenen (§ 343 FamFG).2. Unterlagen sammeln: siehe Checkliste unten.3. Antrag stellen: beim Nachlassgericht zu Protokoll oder über einen Notar. Anzugeben sind unter anderem Todeszeitpunkt, Erbfolge, vorhandene Testamente und dass Sie die Erbschaft angenommen haben (§ 352 Abs. 1 FamFG). Die Richtigkeit versichern Sie an Eides statt.4. Prüfung durch das Gericht: Es kann weitere Erben beteiligen (§ 345 FamFG) und entscheidet durch Beschluss. Widerspricht ein Beteiligter, wird der Erbschein erst nach Rechtskraft erteilt (§ 352e FamFG).5. Erteilung: Sie erhalten eine Ausfertigung, die Sie beim Grundbuchamt, der Bank oder dem Notar vorlegen.
Bei mehreren Erben genügt ein gemeinschaftlicher Erbschein, den jeder Miterbe allein beantragen kann (§ 352a FamFG). Nach Angaben des Amtsgerichts Köln beschleunigen Vollmachten der Miterben das Verfahren, weil das Gericht sie sonst schriftlich anhören muss (ag-koeln.nrw.de, abgerufen Oktober 2026). Eine feste Bearbeitungsdauer gibt es nicht; sie hängt vor allem von der Vollständigkeit der Unterlagen ab.
Checkliste: Unterlagen für den Erbscheinsantrag
Sterbeurkunde des VerstorbenenPersonenstandsurkunden aller in Betracht kommenden Erben (Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden, gegebenenfalls Scheidungsbeschluss), im Original oder beglaubigtNamen und Postanschriften aller MiterbenTestamente oder Erbverträge, falls vorhanden, sowie das EröffnungsprotokollAngaben zum Nachlasswert und zu den Schulden, weil sich danach die Gebühren richten (§ 40 GNotKG)
Urkunden und Anschriften laut Amtsgericht Köln, Nachlasssachen (ag-koeln.nrw.de).
Was kostet ein Erbschein?
Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert zum Todestag, abzüglich der Schulden des Erblassers (§ 40 GNotKG). Anfallen zwei volle Gebühren nach Tabelle B: eine für die Erteilung (KV Nr. 12210 GNotKG) und eine für die eidesstattliche Versicherung (KV Nr. 23300 GNotKG).
| Nachlasswert (netto) | Erteilung (1,0) | Eidesstattliche Versicherung (1,0) | Summe |
|---|---|---|---|
| 200.000 € | 435 € | 435 € | 870 € |
| 500.000 € | 935 € | 935 € | 1.870 € |
| 1.000.000 € | 1.735 € | 1.735 € | 3.470 € |
Quelle: GNotKG, Anlage 2 Tabelle B, Stand Oktober 2026; zzgl. Auslagen, beim Notar zzgl. Umsatzsteuer. Wird zusätzlich ein Testament eröffnet, kostet das 109 Euro (KV Nr. 12101 GNotKG).
Beispiel aus Köln
Eine Witwe aus Köln-Sülz hinterlässt ihrer Tochter per handschriftlichem Testament eine Eigentumswohnung und ein Sparkonto, zusammen 500.000 Euro, ohne Schulden. Um als Eigentümerin ins Grundbuch eingetragen zu werden, braucht die Tochter einen Erbschein. Kosten laut Tabelle: 1.870 Euro.Die anschließende Umschreibung im Grundbuch ist gebührenfrei, wenn der Antrag innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall beim Grundbuchamt eingeht (KV Nr. 14110 Anm. 1 GNotKG). Diese Frist sollten Erben im Blick behalten.
Erbschein in Köln: zuständige Stellen
Für Verstorbene mit letztem gewöhnlichem Aufenthalt im Bezirk des Amtsgerichts Köln ist dessen Nachlassabteilung zuständig (Abteilungen 29 bis 40, Justizgebäude Reichenspergerplatz 1, 50670 Köln). Dort werden Testamente eröffnet, Erbscheine erteilt und Ausschlagungen entgegengenommen (Amtsgericht Köln, Nachlasssachen). Im selben Gebäude sitzt das Grundbuchamt (Abteilungen 10 bis 28), das die Erben anschließend einträgt (Amtsgericht Köln, Grundbuchsachen).
Typische Fehler
Einen Erbschein beantragen, obwohl ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll dem Grundbuchamt genügt hätte; das kostet unnötig Gebühren.Den Antrag stellen, bevor die Entscheidung über eine Ausschlagung gefallen ist: Im Antrag erklären Sie, die Erbschaft angenommen zu haben, und nach der Annahme ist keine Ausschlagung mehr möglich (§ 1943 BGB).Unvollständige Urkunden einreichen und Miterben nicht benennen.Die Zwei-Jahres-Frist für die gebührenfreie Grundbuchberichtigung verpassen.
Sonderfälle: unrichtiger Erbschein und Auslandsbezug
Stellt sich ein Erbschein als falsch heraus, etwa weil später ein Testament auftaucht, zieht das Nachlassgericht ihn ein; damit wird er kraftlos (§ 2361 BGB). Wer bis dahin im Vertrauen auf den Erbschein von dem dort genannten Erben gekauft hat, ist in der Regel geschützt (§ 2366 BGB). Gehört Vermögen in einem anderen EU-Staat zum Nachlass, kommt zusätzlich das Europäische Nachlasszeugnis in Betracht.
Was bedeutet das für Eigentümer?
Wer eine geerbte Immobilie verkaufen will, muss in der Regel zuerst als Eigentümer im Grundbuch stehen oder die Erbfolge gegenüber dem Notar nachweisen. Den Erbschein früh zu beantragen, verkürzt deshalb die Zeit bis zum Verkauf. Den Ablauf vom Erbfall bis zum Notartermin beschreiben wir auf der Seite Erbimmobilie verkaufen in Köln.Für den Antrag fragt das Gericht nach dem Nachlasswert. Eine realistische Einschätzung der Immobilie hilft, die Kosten richtig zu kalkulieren; eine erste Orientierung gibt unsere Immobilienbewertung in Köln. Wie Miterben gemeinsam verkaufen, erklärt der Ratgeber Erbengemeinschaft: Haus verkaufen.
Abgrenzung: Erbschein vs. notarielles Testament vs. Europäisches Nachlasszeugnis
| Erbschein | Notarielles Testament + Eröffnungsprotokoll | Europäisches Nachlasszeugnis | |
|---|---|---|---|
| Ausgestellt von | Nachlassgericht | Notar / Nachlassgericht | Nachlassgericht |
| Nachweis im Grundbuch | ja | in der Regel ja (§ 35 GBO) | ja |
| Typischer Einsatz | gesetzliche Erbfolge, handschriftliches Testament | notarielle Verfügung vorhanden | Nachlass mit Bezug zu anderen EU-Staaten |
Stand Oktober 2026. Diese Erklärung ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
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FAQ
Häufige Fragen zu
Erbschein.
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Brauche ich für eine geerbte Immobilie immer einen Erbschein?
Nein. Liegt ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vor, reicht dem Grundbuchamt in der Regel diese Urkunde zusammen mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts. Bei gesetzlicher Erbfolge oder einem handschriftlichen Testament ist der Erbschein dagegen meist nötig.
Was kostet ein Erbschein bei einem Nachlass von 500.000 Euro?
Bei einem Nachlasswert von 500.000 Euro nach Abzug der Schulden fallen für die Erteilung und für die eidesstattliche Versicherung je 935 Euro an, zusammen 1.870 Euro. Hinzu kommen Auslagen und beim Notar die Umsatzsteuer.
Wo beantrage ich einen Erbschein?
Beim Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Verstorbenen, entweder direkt oder über einen Notar, der den Antrag beurkundet. In Köln ist das Amtsgericht Köln zuständig; dort kann auch die eidesstattliche Versicherung abgegeben werden.
Wie lange dauert es, einen Erbschein zu bekommen?
Eine gesetzliche Bearbeitungsfrist gibt es nicht. Die Dauer hängt vor allem davon ab, ob alle Urkunden vollständig vorliegen und ob das Gericht Miterben anhören muss. Vollmachten der Miterben können das Verfahren nach Angaben des Amtsgerichts Köln beschleunigen. Widerspricht ein Beteiligter, wird der Erbschein erst nach Rechtskraft der Entscheidung erteilt.
Wer kann einen Erbschein beantragen?
Jeder Erbe kann einen Erbschein über sein eigenes Erbrecht beantragen. Bei mehreren Erben kann jeder Miterbe allein einen gemeinschaftlichen Erbschein für alle beantragen; er muss dann angeben, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben. Pflichtteilsberechtigte sind keine Erben und können deshalb keinen Erbschein für sich beantragen.
Kann ich eine geerbte Immobilie verkaufen, ohne im Grundbuch zu stehen?
Ja. Erben müssen vor dem Verkauf nicht selbst als Eigentümer eingetragen werden, wenn das Eigentum direkt auf den Käufer übergeht. Die Erbfolge muss aber gegenüber Notar und Grundbuchamt nachgewiesen werden, in der Regel durch Erbschein oder durch notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll.
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