Ratgeber · Commercial

Mehrfamilienhaus verkaufen: Vorbereitung, Steuern, Mieterrechte.

Was Eigentümer und Erben vor dem Verkauf eines Mehrfamilienhauses klären sollten: Mieterliste, Preisfindung nach Ertrag, Verkaufswege, Steuern und die Rechte der Mieter. Mit Rechenbeispiel und Checkliste.
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Vor OrtSpiesergasse 20, Köln-Altstadt

Von Erten DörterStand: Oktober 2026Lesezeit: rund 9 Minuten
Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze.

✓Ein Mehrfamilienhaus wird nach seinem Mietertrag bewertet: Käufer rechnen mit Ertragswert und Rohertragsfaktor, nicht mit dem Quadratmeterpreis einer Eigentumswohnung.
✓Im Privatvermögen ist der Gewinn in der Regel steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als zehn Jahre liegen und kein gewerblicher Grundstückshandel vorliegt (§ 23 EStG); Abschreibungen erhöhen innerhalb der Frist den steuerpflichtigen Gewinn.
✓Die Mieter behalten ihre Verträge: Der Käufer tritt in alle Mietverhältnisse und in die Kautionen ein (§§ 566, 566a BGB).
✓Ein Vorkaufsrecht der Mieter entsteht nur, wenn das Haus in Eigentumswohnungen aufgeteilt wird (§ 577 BGB); eine Kündigungssperre gilt außerdem beim Verkauf an eine Personengesellschaft oder an mehrere Erwerber (§ 577a BGB).
✓Wer aufteilt und die Wohnungen einzeln verkauft, sollte vorher die Drei-Objekt-Grenze zum gewerblichen Grundstückshandel prüfen lassen.

01Kurz beantwortet

Was beim Mehrfamilienhaus-Verkauf anders ist

Wer ein Mehrfamilienhaus verkaufen will, verkauft einen Mietertrag. Der Preis ergibt sich aus Nettokaltmiete, Bewirtschaftungskosten, Zustand und Lage, berechnet im Ertragswertverfahren und gegengeprüft mit dem Rohertragsfaktor. Entscheidend sind deshalb eine vollständige Mieterliste, belegte Instandhaltungen, die Spekulationsfrist von zehn Jahren und die Frage, ob Sie das Haus im Ganzen oder aufgeteilt verkaufen.Dieser Ratgeber erklärt die Grundlagen bundesweit. Wie wir Mehrfamilienhäuser, Zinshäuser und Wohn- und Geschäftshäuser in Köln bewerten und vermarkten, lesen Sie auf der Seite Mehrfamilienhaus verkaufen in Köln.

02Vorbereitung

Wie Sie den Verkauf eines Mehrfamilienhauses vorbereiten

Käufer prüfen jede Zahl nach. Je früher Sie die folgenden vier Punkte klären, desto weniger Risikoabschläge kalkuliert der Käufer ein.
Wie Sie Mieterhöhungen und Instandhaltungsstau in den Preis übersetzen, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten.
Mieterliste: je Wohnung Fläche, Mietbeginn, Nettokaltmiete, Vorauszahlungen, Kaution, Datum der letzten Mieterhöhung und Besonderheiten wie Staffel- oder Indexmiete. Leerstand und Rückstände gehören offen hinein.Mieterhöhungspotenzial: Die Miete kann bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden, wenn sie seit 15 Monaten unverändert ist; das Verlangen ist frühestens ein Jahr nach der letzten Erhöhung möglich. Innerhalb von drei Jahren darf sie um höchstens 20 % steigen, in Gebieten, die eine Landesverordnung bestimmt, um höchstens 15 % (§ 558 BGB). Wirksam vereinbarte Mieten zählen voll, bloß rechnerisches Potenzial nur mit Abschlag.Instandhaltung: Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Leitungen und Elektrik mit Jahr der Erneuerung und Rechnung. Offenen Bedarf sollten Sie beziffern lassen, sonst setzt der Käufer seine eigene Zahl an.Energie: ein gültiger Energieausweis liegt beim Verkauf vor; dazu Art und Alter der Heizung und die Verbrauchsdaten der letzten Jahre.

03Preisfindung

Wie der Preis eines Mehrfamilienhauses entsteht

Gutachter und Investoren bewerten Mehrfamilienhäuser im Ertragswertverfahren nach der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV): Vom Jahresrohertrag werden die Bewirtschaftungskosten abgezogen, der Reinertrag wird mit dem Liegenschaftszinssatz über die Restnutzungsdauer kapitalisiert, dazu kommt der Bodenwert. Die einzelnen Schritte erklärt der Ratgeber Ertragswertverfahren.Zur schnellen Gegenprobe dient der Rohertragsfaktor, das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresnettokaltmiete. Er wird von den Gutachterausschüssen je Region aus tatsächlichen Kaufpreisen abgeleitet und unterscheidet sich von Ort zu Ort erheblich. Wie Sie ihn berechnen und lesen, steht im Ratgeber Kaufpreisfaktor.Für Verkäufer folgt daraus eine einfache Regel: Jeder Euro dauerhafter Jahresmiete wirkt mit dem Faktor auf den Preis. Beispiel: 6.000 € mehr Jahresnettokaltmiete ergeben bei einem Faktor von 20 rechnerisch 120.000 € mehr Kaufpreis. Umgekehrt zieht der Käufer Instandhaltungsstau und Leerstand vom Preis ab.

04Verkaufswege

Im Ganzen, als Paket oder aufgeteilt verkaufen?

Der Verkauf im Ganzen ist der einfachste Weg. Die Aufteilung in Eigentumswohnungen kann je Quadratmeter mehr bringen, löst aber Mieterrechte, Kosten und steuerliche Fragen aus.
Bei der Aufteilung zählt aus steuerlicher Sicht jede verkaufte Eigentumswohnung als eigenes Objekt, das ungeteilte Haus dagegen als ein Objekt. Wann mehrere Verkäufe gewerblich werden, erklärt der Ratgeber Drei-Objekt-Grenze. Gehört das Haus einer GmbH oder KG, lesen Sie Share Deal oder Asset Deal.
Weg Typische Käufer Vorteile Nachteile und Risiken
Im Ganzen (ein Haus, ein Vertrag) Privatanleger, Family Offices, Bestandshalter Ein Notartermin, diskret möglich, kein Vorkaufsrecht der Mieter Preis nach Ertrag; Abschlag bei Mieten unter Marktniveau
Paket (mehrere Häuser) Wohnungsunternehmen, größere Investoren Ein Verfahren für ein ganzes Portfolio, etwa bei Erbengemeinschaften Paketabschlag möglich; gehört der Bestand einer Gesellschaft, stellt sich die Frage Share oder Asset Deal
Aufteilung in Eigentumswohnungen Selbstnutzer, Kleinanleger Höherer Preis je Quadratmeter möglich Teilungserklärung beim Notar, Abgeschlossenheitsbescheinigung, Vorkaufsrecht der Mieter, Kündigungssperre, Risiko gewerblichen Grundstückshandels
Rechtsgrundlagen: §§ 577, 577a BGB; Stand Oktober 2026.

05Steuern

Welche Steuern beim Verkauf anfallen

Im Privatvermögen entscheidet vor allem die Haltedauer. Die Grunderwerbsteuer zahlt nach dem Kaufvertrag in der Regel der Käufer.
Wie Sie die Frist berechnen und welche Kosten den Gewinn mindern, erklärt der Ratgeber Spekulationssteuer bei Immobilien. Klären Sie beides vor der Vermarktung mit Ihrem Steuerberater.
Steuer Wann sie anfällt Grundlage
Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn Wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen. Steuerfrei bleibt der Gewinn, wenn der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften im Jahr unter 1.000 € liegt. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 3 EStG
Abschreibungen innerhalb der Frist Die in Anspruch genommenen Abschreibungen mindern die Anschaffungskosten und erhöhen damit den steuerpflichtigen Gewinn. § 23 Abs. 3 Satz 4 EStG
Geerbtes oder geschenktes Haus Bei einer Schenkung wird dem Beschenkten die Anschaffung durch den Vorgänger zugerechnet; Erben führen als Gesamtrechtsnachfolger die Frist des Erblassers fort. Die Frist beginnt also nicht neu. § 23 Abs. 1 Satz 3 EStG
Einkommen- und Gewerbesteuer als gewerblicher Grundstückshändler Wenn die Verkäufe insgesamt über private Vermögensverwaltung hinausgehen, typischerweise bei mehr als drei Objekten in engem zeitlichem Zusammenhang; dann auch nach Ablauf der zehn Jahre. § 15 Abs. 2 EStG
Grunderwerbsteuer Bei jedem Grundstückskauf. Der Satz ist Ländersache; wer sie trägt, regelt der Kaufvertrag. Steuerschuldner sind beide Vertragsparteien. §§ 1, 11, 13 Nr. 1 GrEStG
Körperschaft- und Gewerbesteuer Wenn das Haus einer Kapitalgesellschaft gehört. KStG, GewStG
Stand Oktober 2026, geprüft auf gesetze-im-internet.de. Keine Steuerberatung im Einzelfall.

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06Mieterrechte

Welche Rechte die Mieter beim Verkauf haben

Ein Verkauf ändert an den Mietverträgen nichts. Zusätzliche Rechte entstehen vor allem, wenn an den Wohnungen nach Einzug der Mieter Wohnungseigentum begründet wird, und beim Verkauf an eine Personengesellschaft oder an mehrere Erwerber.
Eine allgemeine Pflicht, die Mieter vor dem Verkauf zu informieren, gibt es nicht. Nach dem Eigentumsübergang sollten sie aber informiert werden: Erst die Mitteilung des Verkäufers befreit ihn von seiner Haftung wie ein Bürge (§ 566 Abs. 2 BGB). Mehr dazu in den Ratgebern Kauf bricht nicht Miete und Vermieter will Haus verkaufen.
Mieterrecht Verkauf im Ganzen Nach Aufteilung Grundlage
Mietvertrag geht auf den Käufer über Ja Ja § 566 BGB
Kaution geht auf den Käufer über Ja Ja § 566a BGB
Vorkaufsrecht, Ausübung binnen zwei Monaten nach Mitteilung Nein Ja, wenn das Wohnungseigentum nach Überlassung an den Mieter begründet wurde § 577 BGB, § 469 Abs. 2 BGB
Kündigungssperre für Eigenbedarf und Verwertung Nein; Ausnahme bei Verkauf an eine Personengesellschaft oder mehrere Erwerber, die nicht derselben Familie oder demselben Haushalt angehören Ja, drei Jahre; per Landesverordnung bis zu zehn Jahre § 577a BGB
Mieterhöhung nur bis Vergleichsmiete und Kappungsgrenze Ja Ja § 558 BGB
Stand Oktober 2026, Gesetzestexte geprüft auf gesetze-im-internet.de.

07Due Diligence

Welche Unterlagen Käufer prüfen

Fehlt eine Unterlage, kalkuliert der Käufer einen Risikoabschlag oder verlangt Garantien im Kaufvertrag. Stellen Sie deshalb vor der Vermarktung zusammen:

Mieterliste und Mietverträge mit allen Nachträgen, bei Gewerbeeinheiten mit Laufzeit, Optionen und WertsicherungsklauselBetriebskostenabrechnungen der letzten Jahre mit den nicht umlagefähigen KostenInstandhaltungsnachweise mit Jahr und RechnungGrundbuchauszug mit Abteilung II und III, Flurkarte, Baulastenauskunft, Baugenehmigungen, Grundrisse und FlächenberechnungEnergieausweis, Gebäudeversicherung, Verwaltervertrag und Protokolle der Eigentümerversammlungen, falls bereits aufgeteiltDie vollständige Liste mit Beschaffungswegen steht unter Unterlagen für den Verkauf.

08Rechenbeispiel

Was eine Mieterhöhung und die Spekulationsfrist ausmachen

Alle Objektdaten sind frei gewählte Beispielzahlen. Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen, 420 m² Wohnfläche, voll vermietet, Ist-Miete 9,20 €/m² nettokalt, letzte Erhöhung vor vier Jahren, angenommene ortsübliche Vergleichsmiete 10,80 €/m², Lage in einem Gebiet mit Kappungsgrenze 15 %.
Die Mieterhöhung verschiebt die Preisspanne um rund 125.000 € bis 146.000 €. Vom Veräußerungsgewinn gehen 77.469 € allein auf die genutzten Abschreibungen zurück. Wäre das Haus geerbt und hätte der Erblasser es vor mehr als zehn Jahren gekauft, fiele keine Einkommensteuer an; bei einem Kauf 2019 wäre ein Verkauf erst nach Ablauf von zehn Jahren, also ab dem entsprechenden Tag im Jahr 2029, in der Regel steuerfrei, sofern kein gewerblicher Grundstückshandel vorliegt.
Schritt Rechnung Ergebnis
1. Höchstmögliche Miete 9,20 € × 1,15 (Kappungsgrenze); liegt unter der Vergleichsmiete von 10,80 € 10,58 €/m²
2. Jahresnettokaltmiete vorher 420 m² × 9,20 € × 12 46.368 €
3. Jahresnettokaltmiete nachher 420 m² × 10,58 € × 12 53.323 €
4. Preisspanne vorher Faktor 18 bis 21 (Annahme) 834.624 € bis 973.728 €
5. Preisspanne nachher Faktor 18 bis 21 (Annahme) 959.818 € bis 1.119.787 €
6. Steuer bei Verkauf innerhalb der Frist Kauf 2019 für 850.000 €, Erwerbsnebenkosten 8,5 % (Annahme) = 922.250 €; Gebäudeanteil 60 % = 553.350 €; Abschreibung 2 % = 11.067 € × 7 Jahre (vereinfacht, volle Jahre) = 77.469 € Fortgeführte Anschaffungskosten 844.781 €
7. Veräußerungsgewinn Verkaufspreis 960.000 € − 844.781 € − 10.000 € Verkaufskosten (Annahme) 105.219 €
8. Einkommensteuer Persönlicher Steuersatz 42 % (Annahme), ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer rund 44.200 €
Beispielrechnung mit frei gewählten Zahlen, keine Preis- oder Steuerprognose. Grundlagen: § 558 Abs. 3 BGB, § 23 Abs. 1 und 3 EStG, § 7 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b EStG (2 % für Gebäude, fertiggestellt 1925 bis 2022).

09In Köln

Mehrfamilienhaus verkaufen in Köln: die lokalen Daten

Köln gehört zu den Gebieten der Mieterschutzverordnung NRW. Bestandsmieten dürfen dort innerhalb von drei Jahren um höchstens 15 % steigen, und nach einer Aufteilung in Eigentumswohnungen gilt eine Kündigungssperre von acht Jahren. Beide Regeln gelten nach der Mieterschutzverordnung NRW bis zum 28.02.2030. Die Grunderwerbsteuer beträgt in Nordrhein-Westfalen 6,5 %.Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Köln zählte 2025 insgesamt 655 Kauffälle von Mehrfamilienhäusern einschließlich solcher mit gewerblichem Anteil (S. 17). Für Mietwohnhausgrundstücke hält er einen Liegenschaftszinssatz von 2,8 % (± 0,9) für angemessen (S. 103); der Rohertragsfaktor liegt bei 21, mit einer Spanne von 15 bis 29 (S. 105). Für gemischt genutzte Grundstücke mit einem gewerblichen Mietanteil unter 50 % sind es 3,0 % und Faktor 21, über 50 % 3,3 % und Faktor 18. Der Liegenschaftszinssatz für Mietwohnhäuser lag 2023 bei 2,6 % und 2024 bei 2,9 % (S. 112).Die vollständigen Kölner Kennzahlen mit Rechenbeispiel, Umsätzen nach Stadtbezirk und unserem Vorgehen finden Sie auf der Seite Mehrfamilienhaus verkaufen in Köln. Für eine Einschätzung Ihres Hauses auf Basis der Mieterliste nutzen Sie die Immobilienbewertung Köln.
Quellen: Grundstücksmarktbericht 2026 des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Köln, S. 17, 103, 105 und 112, Lizenz dl-de/zero-2-0. Mieterschutzverordnung NRW (MietSchVO NRW) vom 28.01.2025 (GV. NRW. S. 111), geändert durch Verordnung vom 28.10.2025 (GV. NRW. S. 848), § 1 Abs. 2 und § 3 Abs. 2, Köln in der Anlage (recht.nrw.de). Grunderwerbsteuersatz NRW 6,5 % seit 01.01.2015 (GV. NRW. 2014 S. 954).

10Checkliste

Checkliste: Mehrfamilienhaus verkaufen

Ein fester Ansprechpartner von homéa begleitet Sie vom ersten Gespräch bis zur Übergabe; nach Absprache übernehmen wir die Ertragswert-Einschätzung, die Aufbereitung der Unterlagen und die Ansprache geeigneter Investoren. Steuerfragen entscheidet Ihr Steuerberater; auf Wunsch stellen wir ihm die Objektunterlagen zusammen. homéa arbeitet ausschließlich mit Erfolgshonorar; es wird fällig, wenn der Kaufvertrag beim Notar beurkundet ist.

Anschaffungsdatum und genutzte Abschreibungen klären: Läuft die Zehnjahresfrist noch?Verkäufe der letzten fünf Jahre zählen, auch über GesellschaftenMieterliste vollständig, Vergleichsmiete je Wohnung ermittelnZulässige Mieterhöhungen rechtzeitig vor dem Verkauf umsetzenInstandhaltungsstau beziffern, Rechnungen sammelnEnergieausweis und Heizungsdaten bereitlegenVerkaufsweg festlegen: im Ganzen, als Paket oder aufgeteiltRestschuld, Zinsbindung und mögliche Vorfälligkeitsentschädigung bei der Bank erfragen

Über die Autoren

Wer diesen Beitrag verfasst hat.

Erten Dörter

Autor · Gesellschafter homéaErten Dörter

Seit über 20 Jahren am Immobilienmarkt des Rheinlands. Als langjähriger Lizenzpartner von Engel & Völkers hat er zahlreiche Standorte in der Kölner Region aufgebaut und über 1.000 Transaktionen mit rund 500 Mio. € Volumen verantwortet.

Zum homéa Team

FAQ

Fragen zum
Mehrfamilienhaus-Verkauf

Etwas nicht dabei? Rufen Sie an — 0221 77 71 38 66 — oder schreiben Sie uns.
Wann ist der Verkauf eines Mehrfamilienhauses steuerfrei?
Im Privatvermögen, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als zehn Jahre liegen und kein gewerblicher Grundstückshandel vorliegt (§ 23 EStG). Wer das Haus geerbt oder geschenkt bekommen hat, übernimmt die Frist des Vorgängers. Innerhalb der Frist erhöhen die genutzten Abschreibungen den steuerpflichtigen Gewinn, weil sie die Anschaffungskosten mindern.
Darf ich vor dem Verkauf die Mieten erhöhen?
Ja, bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete, wenn die Miete seit 15 Monaten unverändert ist. Innerhalb von drei Jahren darf sie höchstens um 20 % steigen, in Gebieten mit Landesverordnung um höchstens 15 %, etwa in Köln. Wirksame Erhöhungen wirken über den Rohertragsfaktor direkt auf den Kaufpreis, bloß rechnerisches Potenzial bewerten Käufer mit Abschlag.
Haben Mieter beim Verkauf eines Mehrfamilienhauses ein Vorkaufsrecht?
Nicht beim Verkauf des ganzen Hauses. Ein Vorkaufsrecht entsteht nur, wenn an der Wohnung nach Einzug des Mieters Wohnungseigentum begründet wurde oder werden soll und die Wohnung an einen Dritten verkauft wird (§ 577 BGB). Der Mieter kann es dann binnen zwei Monaten nach Mitteilung des Kaufvertrags ausüben. Die Mietverträge gehen in jedem Fall auf den Käufer über.
Lohnt es sich, ein Mehrfamilienhaus aufzuteilen?
Das hängt vom Einzelfall ab. Eigentumswohnungen erzielen je Quadratmeter oft höhere Preise als ganze Häuser. Dagegen stehen Kosten für Teilungserklärung und Abgeschlossenheitsbescheinigung, ein längerer Verkauf, das Vorkaufsrecht der Mieter, eine verlängerte Kündigungssperre und das Risiko gewerblichen Grundstückshandels. Rechnen Sie beide Wege nach Kosten und Steuern vollständig durch, bevor Sie entscheiden.
Wer zahlt die Grunderwerbsteuer beim Verkauf eines Mehrfamilienhauses?
Wer sie trägt, regelt der Kaufvertrag; üblich ist der Käufer. Steuerschuldner sind nach § 13 Nr. 1 GrEStG aber beide Vertragsparteien, das Finanzamt kann sich also auch an den Verkäufer halten, wenn der Käufer nicht zahlt. Der Steuersatz ist Ländersache und liegt in Nordrhein-Westfalen bei 6,5 % des Kaufpreises.
Wie wird der Wert eines Mehrfamilienhauses ermittelt?
Mit dem Ertragswertverfahren: Von der Jahresnettokaltmiete werden die Bewirtschaftungskosten abgezogen, der Reinertrag wird mit dem Liegenschaftszinssatz über die Restnutzungsdauer kapitalisiert, dazu kommt der Bodenwert. Als Gegenprobe dient der Rohertragsfaktor, also Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete. Beide Werte leitet der örtliche Gutachterausschuss aus tatsächlichen Verkäufen ab.
Muss ich meine Mieter über den Verkauf informieren?
Vor dem Verkauf besteht keine allgemeine Pflicht, außer den Mietern steht ein Vorkaufsrecht zu. Nach dem Eigentumsübergang sollten Sie die Mieter über den neuen Eigentümer informieren: Bis dahin haften Sie wie ein Bürge, wenn der Käufer seine Pflichten aus dem Mietvertrag nicht erfüllt (§ 566 Abs. 2 BGB). Besichtigungen stimmen Sie rechtzeitig mit den Mietern ab.
Muss ich ein Mehrfamilienhaus vor dem Verkauf sanieren?
Nein, eine allgemeine Pflicht dazu gibt es nicht. Käufer ziehen offenen Instandhaltungsbedarf aber vom Preis ab, oft großzügiger, als die Arbeiten tatsächlich kosten. Sinnvoll ist deshalb, den Bedarf mit Angeboten oder einem Gutachten zu beziffern und die Rechnungen bisheriger Arbeiten vorzulegen. Ob eine Sanierung vor dem Verkauf sich rechnet, hängt von Kosten, Mieterhöhungsspielraum und Käufergruppe ab.
Was gilt, wenn das Mehrfamilienhaus einer GmbH gehört?
Dann verkauft entweder die GmbH das Haus (Asset Deal) oder die Gesellschafter verkaufen ihre Anteile (Share Deal). Beim Asset Deal fallen grundsätzlich Körperschaft- und Gewerbesteuer auf Ebene der GmbH an, beim Share Deal versteuert der Gesellschafter seinen Gewinn nach den für ihn geltenden Regeln. Grunderwerbsteuer entsteht in beiden Fällen, beim Share Deal ab 90 % übertragenen oder vereinigten Anteilen.

Ihr nächster Schritt

Beginnen Sie mit dem Ertragswert.

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